Eugen Roth – Der starke Kaffee

Ein Mensch, der viel Kaffee getrunken,
Ist nachts in keinen Schlaf gesunken.

Nun muß er zwischen Tod und Leben
Hoch überm Schlummerabgrund schweben

Eugen Roth - Der starke Kaffee
Eugen Roth – Der starke Kaffee

Und sich mit flatterflinken Nerven
Von einer Angst zur andern werfen

Und wie ein Affe auf dem schwanken
Gezweige turnen der Gedanken,

Muß über die geheimsten Wurzeln
Des vielverschlungnen Daseins purzeln

Und hat verlaufen sich alsbald
Im höllischen Gehirn-Urwald.

In einer Schlucht von tausend Dämpfen
Muß er mit Spukgestalten kämpfen,

Muß, von Gespenstern blöd geäfft,
An Weiber, Schule, Krieg, Geschäft

In tollster Überblendung denken
Und kann sich nicht ins Nichts versenken.

Der Mensch in selber Nacht beschließt,
Daß er Kaffee nie mehr genießt.

Doch ist vergessen alles Weh
Am andern Morgen – beim Kaffee.

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