Tag-Suche nach: ‘Kaffeekultur’

Wussten Sie eigentlich, dass

Dienstag, 19. Mai 2009

…wer in Italien einen Caffé bestellt, einen Espresso serviert bekommt? Und wussten Sie auch, dass dieser kurze Genuss für die Italiener ein so wesentlicher Bestandteil ihres Lebens ist, dass die jeweilige Kommune den Maximalpreis für einen Espresso „al banco“ (stehend an der Bar) festlegt?

Dieser beträgt in ganz Italien nämlich höchstens 1,00 Euro.

Sollten Sie diesen allerdings im Sitzen genießen wollen, dann kommt eine Servicegebühr, die „Coperto“ hinzu. Wer auf dem Markusplatz in Venedig schon mal einen Espresso getrunken hat, weiß was das bedeuten kann ;-)

Eine wie wir finden wunderbare Tradition aus Neapel ist der Espresso „Sospeso“ (ital.Aufgehobener). Man bestellt 1 Espresso, bezahlt aber 2. Dies ist eine soziale Geste der Italiener, denen es gut geht und die im Kleinen helfen möchten. Denn nun kann jemand, der sich keinen Espresso leisten kann, an der Bar nach dem sogenannten „Aufgehobenen“ fragen und diesen kostenlos trinken.

 

Die Kaiserin und der Kaffeefleck

Mittwoch, 5. Juli 2006

Kaiserin Maria Theresia von Österreich (1717 - 1780) war eine österreichische Fürstin aus dem Hause Habsburg. Als regierende Erzherzogin von Österreich und Königin von Ungarn und Böhmen war sie eine der mächtigsten Herrscherinnen ihrer Zeit. Sie war die Ehefrau des römisch-deutschen Kaisers Franz I. Stephan und Mitregentin ihres Sohnes, Kaiser Joseph II.

Warum erzählen wir Euch das? Weil wir dieses Original-Dokument im Netz gefunden haben:
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Es ist ein Bericht des Wiener Hofkriegsrats an Maria Theresia vom 22. Februar 1771. Sie selbst setzte handschriftlich drunter: “Schäme mich, das ein Canne Caffée darüber geworffen

Und das fanden wir so nett! Kaiserinnen sind eben auch nur Kaffeetrinkerinnen und Menschen…

 

Österreichische Kaffeehaustraditionen

Dienstag, 2. Mai 2006

Es gibt zahlreiche Legenden über österreichische Kaffeehäuser: Johann Strauss, beispielsweise, wäre ohne Kaffeehaus nie Walzerkönig geworden. Erzählt werden aber auch Geschichten, die schlicht falsch sind: Die vielen hohen Fenster im Café gibt es nicht deshalb, damit man den Menschen auf der Straße beim Stadtbummel zuschauen kann. Und wie ist das mit dem Glas Wasser zum Kaffee?

Österreichische Kaffeehaustraditionen und ihre härtesten Klischeeskaffeehaus_wien_central.JPG

Kaffeehäuser gibt es in Österreich seit Ende des 17. Jahrhunderts. Seitdem sind sie gesellschaftlicher Treffpunkt in Wien, Salzburg, Graz und auch kleineren Städten. Wer die Kaffeehäuser in den vergangenen Jahrhunderten besucht hat? Nach Worten von Alfred Polgar, Besitzer des “Café Central” in Wien um 1900, “Leute, die allein sein wollen, dazu aber unbedingt Gesellschaft brauchen”. Dazu zählten Schriftsteller wie Arthur Schnitzler, Franz Kafka, Thomas Bernhardt, Komponisten und Journalisten. Für sie waren Kaffeehäuser Lesehalle, Nachrichtenbörse, Club und Wohnzimmer. Anwälte nutzten sie auch als Arbeitsstätte. Sie luden oft Klienten zu Besprechungen in eine ruhige Ecke, woraus der Begriff des “Winkeladvokaten” entstand. Die Einrichtungen der Cafés wurden von verschiedenen Stilelementen geprägt: Spiegelverkleidungen, prächtige Wanduhren, einen Billardtisch und viel Porzellan gab es dort. Große Rundbögen schmückten die hohen Decken, verzierte Leuchter - zunächst mit Kerzen, später mit Lampen - hingen tief in den Raum hinein, Korbsessel standen an echten oder falschen Marmortischen.

Eckhaus als Caféherberge - “Einblick” für die Obrigkeit

Cafés wurden in Österreich meistens in Eckhäusern eröffnet und mit möglichst vielen und hohen Fenstern ausgestattet. Damit die Besucher besonders gut das Treiben auf der Straße beobachten konnten, so steht es in zahlreichen Büchern. Aber was war der wahre Grund? Viel Glas und eine ebenerdige Lage waren Bedingung: Die Obrigkeit sollte von außen Einsicht auf das Geschehen drinnen haben. Denn das Kaffeehaus war in Zeiten der Monarchie auch Ort von Gedanken und Gesprächen um Demokratie und Anarchie. Der Kaiser und die Fürsten schickten ihre Polizisten aus, um informiert zu sein.

Zahlreiche Kaffeevariationen - vom Fiaker zur Kaisermelangekaffeehaus_wien_sperl.JPG

Neben demokratischem Flair machten auch andere Dinge die Anziehungskraft von Österreichs Kaffeehäusern aus: die bis zu 200 vorhandenen Zeitungen aus allen Ländern, die Kaffeehausmusik und der Zigarrenduft, der das Gefühl ermöglichte, nicht zu Hause aber dennoch nicht an der frischen Luft zu sein. Vor allem aber kamen die Menschen aus einem Grund in die Kaffeehäuser: Hier gab es Kaffee in zahlreichen Variationen. Rund 50 kann allein Wien aufweisen. Berühmt ist Österreich für die “Melange”. Der Klassiker besteht aus halb Kaffee, halb Milch, wird mit Zucker gesüßt und im Stielglas oder einer weiten Teeschale serviert. Die “Wiener Melange” bekommt eine Haube aus schaumig geschlagener Milch. Bei der “Kaisermelange” dagegen wird schwarzer Kaffee mit einem Eigelb, Honig, Schlagsahne und einem Schuss Rum verfeinert. Wer ausschließlich schwarzen Kaffee trinken will, bestellt einen “Fiaker”. Beim “Einspänner” wird schwarzer Kaffee im Kelchglas mit geschlagener Sahne - österreichisch: Schlagobers - aufgefüllt.

Kaffee und das Glas Wasserkaffeehaus_wien.jpg

Zu Beginn des Kaffeehauslebens bekam der Gast zum Kaffee automatisch ein Glas Wasser serviert. Der Grund: Bei den damaligen Verarbeitungen der Bohnen entstand durch Rösten und Überbrühen mit kochend heißem Wasser Gerbsäure. Sie greift die Schleimhäute an. Deshalb konnte der Kaffeetrinker mit einem Schluck Wasser die Schleimhäute benetzen und sie so schonen. Heute ist die Stärke der Gerbsäure durch moderne Zubereitungs-Verfahren unbedeutend geworden. Das Glas Wasser kommt nur noch auf Bestellung, da ein automatisch serviertes Wasser auf die geringe Qualität des Kaffees hinweisen würde. Trotzdem schätzen einige Besucher die Extra-Portion Flüssigkeit. Veraltete medizinische Erkenntnisse sagen nämlich, Kaffee sei harntreibend und bringe den Wasserhaushalt aus dem Gleichgewicht – eine These, die inzwischen allerdings längst widerlegt wurde!

Quelle: Kaffee-oder-Tee-Ecke des SWR. Vielen Dank für die tollen und umfangreichen Infos!

 

Die bergische Kaffeetafel

Donnerstag, 27. April 2006

“Koffedrenken met allem Dröm on Dran”

Das bergische Land war in früheren Zeiten geprägt von karger Schlichtheit: die Böden waren mager, Köhlerei und Hammerwerke beherrschten die Wälder. Während der industriellen Revolution entwickelte sich Industrie, vor allem Maschinenbau aber auch Textilindustrie: Litzen und Spitzen aus dem Bergischen Land waren ein begehrter Exportartikel. Häufig wurde in Heimarbeit gewirkt - die Not und Armut der Arbeiter war groß. Nicht zufällig stammt Friedrich Engels aus Wuppertal, spielt dort auch der Weberaufstand. Vor diesem Hintergrund wirkt die Bergische Kaffeetafel geradezu überwältigend üppig.

Droeppelmina.jpgAls Königin der Kaffeetafel steht die “Dröppelmina” im Mittelpunkt: Eine bauchige, birnenförmige Kanne aus Zinn, die ihren Namen einem dienstbaren Geist zu verdanken hat (”Mina” = Kurzform von Wilhelmine) und der Tatsache, dass es in der Zeit des Aufkommens um 1700 noch keine Filtertüten gibt und so der Ausguss der Kanne vom Kaffeesatz verstopft wird und der Kaffee so nur noch in die Tasse “dröppeln” kann.

Die Zinngießerei war ein eigenständiges Handwerk, die Zinngeräte das “Tafelsilber” der bergischen Hausfrau. 1981 schloß der letzte Zinngießer in Wuppertal seine Werkstatt.

Kein Wunder, dass die Dröppelmina das Prunkstück der Tafel war: Kaffee als Kolonialware kam aus den Niederlanden und war eine Kostbarkeit. Von der sparsamen bergischen Hausfrau wurde er oft mit Zicchorienkaffee (Muckefuck) gestreckt. Ein zweites Produkt kam ebenfalls aus Holland: der Milchreis, eine exotische Zutat. Die Korinthen im Stuten (ein süßes Hefebrot) waren ebenfalls Kolonialwaren. Denn das bergische Land hatte sehr viel Kontakte zum Niederrhein und wurde kulinarisch dadurch beeinflusst.

Die “Gangfolge” - die drei Stufen der Kaffeeschwelgerei

Grundsätzlich werden bei einer traditionellen bergischen Kaffeetafel drei Gänge aufgetischt:

Der erste Gang ist eine dick mit Butter belegte und ebenso dick mit Honig oder Rübenkraut bestrichene Scheibe Korinthenstuten oder Weißbrot, die zu guter letzt mit einer fingerdicken Scheibe steifem Reisbrei belegt und mit Zucker und Zimt bestreut wird.

Der zweite Gang besteht aus frisch gebackenen noch heißen Waffeln. Eine eher moderne Entwicklung ist die Kombination mit heißen Schattenmorellen - damals wurde eher Apfelmus dazu serviert.

Im dritten Gang gibt es bergisches Schwarzbrot mit Butter und “Klatschkäs” (Quark), evtl. zusätzlich Rübenkraut. Abgerundet wird diese deftige Mahlzeit in gemütlicher Runde von einem gezuckerten “Kloaren” oder einem “Opgesadden” (Aufgesetztem). Das ist Schnaps mit Zucker und Beeren gereift und abgesiebt, also eine Art Beerenlikör.

Je nach Wohlstand und Jahreszeit gibt es verschiedene Variationen der Tafel. Es wird berichtet, dass auch Rodonkuchen (eine Art Sandkuchen), Zwieback, Hausmacher-Wurst und Schinken, Schnittkäse und Konfitüre auf einigen Tafeln zu finden waren. Diese Zutaten werden allerdings gemeinhin als “traditionswidrig” empfunden. Hauptsächlich um die Faschingszeit gibt es auch “Ballebäuschen” (walnussgroße Hefeteig-Bällchen) und “Muzen” (pfirsichgroße Ballen aus Backpulverteig), die alle im heißen Fett ausgebacken werden.

Quelle: Kaffee-oder-Tee-Ecke des SWR. Vielen Dank für die tollen und umfangreichen Infos!

 

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