Tag-Suche nach: ‘Kaffeehäuser’

Traditionelle Kaffeehäuser in Budapest

Dienstag, 29. August 2006

Kaffee und süße Köstlichkeiten

Petofi_Sandor.jpgSie gehören zu Budapest wie Pubs zu London und Bistros zu Paris: Kaffeehäuser, Ungarisch “kávéház”. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es in der ungarischen Metropole mehr als 500 dieser prunkvollen Institutionen. Hier versammelten sich Kunstliebende und -schaffende genauso wie Journalisten, Schachspieler und Bohemiens. Sie kamen, um sich einem Kaffee und den süßen Kreationen der Konditoren hinzugeben, aber vor allem um zu diskutieren und zu schreiben. So schuf beispielsweise Sándor Petöfi, Dichter und Nationalheld, im mittlerweile abgerissenen Café Pilvax sein “Nationallied”.

Der Zweite Weltkrieg und die nachfolgenden historischen Entwicklungen haben die ungarische Kaffeehauskultur zu großen Teilen zerstört. Zwar gibt es in Budapest heute wieder 600 Cafés. Doch nur wenige Originale aus dem 19. Jahrhundert haben den Wandel der Zeit überstanden oder wurden nach jahrzehntelanger Pause wiederbelebt wie beispielsweise das Café Centrál in der Károlyi Mihály utca. Nach wie vor gehört ein Zwischenstopp in den Traditionshäusern zu den Highlights eines Budapest-Besuchs.

gerbeaud-budapest.jpgNummer eins unter den Konditoreien und Kaffeehäusern ist das prachtvolle, 1858 gegründete Café Gerbeaud am Vörösmarty tér in Pest, am nördlichen Ende der Fußgängerzone. Benannt ist die heutige Kaffeehauslegende nach dem Schweizer Emil Gerbeaud, der es 1884 übernahm. Gäste lassen sich hier in schönstem Jugendstil-Ambiente und unter mächtigen Kronleuchtern mit Kaffeespezialitäten und Patisserien verwöhnen. Die Originalrezepte versetzen jeden Gerbeaud-Besucher, der einen Platz ergattern kann, in vergangene Zeiten zurück und garantieren großartigen Genuss.

Auch als “Kleines Gerbeaud” ist das Café Müvész (zu Deutsch “Künstlercafé”) an der Prunkmeile Andrássy út bekannt. Hier trifft sich die Künstlerszene von der gegenüber liegenden Staatsoper, aber auch betagtere Damen und Herren besuchen die spiegelgeschmückten Räume des Kaffeehauses. Bei einem Stück Esterházy-Torte lässt sich hier entspannt das Opernprogramm studieren oder das Treiben auf der Andrássy út beobachten. New York Palace.jpgNach mehrjähriger Umbau- und Renovierungsphase hat eine altbekannte Budapester Adresse, das legendäre Café New York, im Erdgeschoss des luxuriösen New York Palasts, wieder seine Pforten geöffnet. Hier traf sich in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts Budapests intellektuelle Elite. Heute lässt sich hier wieder in stilvollem, nach Originalplänen geschaffenem Ambiente ein Kaffee genießen.

ruszwurm.jpgIm Burgviertel lockt das winzige Café Ruszwurm Freunde süßer Verführungen an. Nicht größer als ein geräumiges Wohnzimmer wartet das denkmalgeschützte Kaffeehaus mit einer weniger prunkvollen, aber durchaus historischen Biedermeier- Einrichtung auf, die noch aus den Anfängen des Ruszwurm stammt. Seit 1827 pflegt man hier schon die ungarische Konditortradition. Besonders zu empfehlen ist die Spezialität des Hauses: Ruszwurm-Crème (mit einer Vanille-Masse gefüllte Crèmeschnitte).

Quelle: Presseportal.de

 

Kaffeehaus und Kaffeekulturgeschichte

Mittwoch, 12. Juli 2006

CoffeBaum-k1.JPGIm Herzen der Leipziger Altstadt, wenige Meter vom Alten Rathaus entfernt, befindet sich eines der weltweit ältesten erhaltenen Kaffeehäuser “Zum Arabischen Coffe Baum”. Es wurde bereits um 1500 erbaut, aber erst 1694 gegründet. Ab 1718 durfte der kurfürstlich-sächsische Hofchocoladier das erste Mal Kaffee ausschenken.

Während des Umbaus in den Jahren 1719/20 erhielt das Gebäude eine Portalplastik, die fortan als Haus- und Gewerbezeichen diente und 1720 den neuen Hausnamen “Zum Arabischen Coffe Baum” begründete. portalplastik.jpgWer diese einzigartige barocke Plastik mit dem stattlichen Osmanen nebst kleinen Amor letztlich in Auftrag gegeben, wer sie geschaffen und wer sie bezahlt hat, bleibt bis zum heutigen Tag ein Geheimnis. Der Legende zufolge hatte Kurfürst August der Starke eine Liaison mit der Wirtin Johanna Elisabeth Lehmann. Aus Dank für die erbrachten Liebesdienste soll er ihr die prächtige Plastik gestiftet haben.

In den historischen Gasträumen des Erdgeschosses hatten berühmte Dichter, Komponisten und Universitätsgelehrte ihren eigenen Stammtisch, an dem sie philosophieren, spielten, speisten und natürlich auch “ein wenig” tranken: Goethe, Lessing, Liszt, Wagner, Schumann, Gellert, Napoleon, usw.

In der zweiten Etage laden Café Français, ein Arabisches und ein Wiener Café zum Kaffeeklatsch und machen Lust auf das Kaffee-Museum in der dritten Etage, das an Shop (Ladenküche von 1920) und Kaffeeküche vorbei über eine schmale Stiege zu erreichen ist. In 16 Räumen wird der Besucher mit 300 Jahren Kaffeekulturgeschichte bekannt gemacht. Über 500 Ausstellungsstücke, wie Kaffeemühlen, Meissener Porzellan, Bachs Kaffeekantate, Kaffeetassen (darunter eine, aus der Napoleon 1813 trank), Röstgeräte, Kaffeezubereitungsgefäße, Blümchenkaffee und vieles mehr werden präsentiert.

Zum Arabischen Coffe Baum
Kleine Fleischergasse 4
04109 Leipzig
http://www.coffe-baum.de

 

Vom Kaffeehaus zum Weltunternehmen

Donnerstag, 8. Juni 2006

Lloyds_tower_street.jpgIn England eröffneten um 1650 in London die ersten Kaffeehäuser. Das berühmteste wurde das Haus von Edward Lloyd, das er im Jahre 1688 in der Towerstreet eröffnete. Wie andere Kaffeehäuser wurde es zum Treffpunkt von Geschäftsleuten, darunter solchen, die bereit waren, Risiken im Bereich der Schifffahrt abzudecken. Es wurde zur Gepflogenheit, einen Versicherungsgeber im Kaffeehaus zu suchen, da dort mehr als ein Anbieter zu finden war.

Lloyds1.jpgDie Lage von “Lloyd’s Coffee House” am Ufer der Themse war sicherlich ausschlaggebend dafür, dass sich hier vorwiegend Kapitäne, Reeder und Ladungsinteressenten trafen. Diesen Herren, die sich dem Handel und Transport von Waren verschrieben hatten, bot Edward Lloyd - neben leiblichen Genüssen - einen speziellen Service: Das große Interesse seiner Kundschaft nach Schiffspositionen veranlasste ihn, Segellisten, Listen mit aktuellen Schiffsuntergängen und ähnliche Schiffsnachrichten aus der ganzen Welt am schwarzen Brett seiner Gaststätte zu veröffentlichen. Diese Nachrichten waren die Vorläufer von Lloyd’s List, einem täglichen Schifffahrtsbericht, den es noch heute als weltweit führende Zeitung in der Frachtbranche gibt.

1691 verlegte Edward Lloyd sein Kaffeehaus vom Hafen in die Lombard Street, was ihm den Verlust einiger Stammtische von Kapitänen und Hafenleuten, auf der anderen Seite aber den Gewinn der Kundschaft einflussreicher Kreise der Schiffsmakler und Versicherer einbrachte. Hier begann die Entwicklung dieses Kaffeehauses zum größten Versicherungsmarkt der Welt.

Lloyds_List.jpgDie Geburtsstunde von Lloyd’s List hat Edward Lloyd nicht mehr erleben dürfen. Nach seinem Tod 1713 kam es zu häufigem Besitzerwechsel des Kaffeehauses. Im April 1734 erschien die erste Ausgabe von Lloyd’s List, herausgegeben von Richard Baker, dem damaligen Inhaber von Lloyd’s. Lloyd’s List diente hauptsächlich den Schifffahrtsinteressen, namentlich dem Versicherungswesen, dessen Vertreter Lloyds Rooms zum Mittelpunkt ihrer Geschäfte machten.

Das daraus entstandene und heute weltweit bekannte Londoner Unternehmen Lloyd’s versteht sich selbst nicht als Versicherungsgesellschaft, sondern als Marktplatz. Denn was die wenigsten wissen: Unter dem Label Lloyd’s arbeiten viele Broker und Agenturen auf eigene Rechnung als Franchisepartner des Traditionsunternehmens.

Lloyds.building.kleiner.jpgSo hat das größte Unternehmen der Versicherungsbranche seinen Ursprung in einem Kaffeehaus. Dass Kaffee aufgrund des Koffeins wach halten und somit den Verstand schärfen kann, ist uns schon bekannt. Wenn dazu noch die Zeit reif ist für einen Geschäftsmann mit einer guten Idee, kann aus dieser Kombination eine erfolgreiche Unternehmens-Geschichte geboren werden. Wie schön!

 

Österreichische Kaffeehaustraditionen

Dienstag, 2. Mai 2006

Es gibt zahlreiche Legenden über österreichische Kaffeehäuser: Johann Strauss, beispielsweise, wäre ohne Kaffeehaus nie Walzerkönig geworden. Erzählt werden aber auch Geschichten, die schlicht falsch sind: Die vielen hohen Fenster im Café gibt es nicht deshalb, damit man den Menschen auf der Straße beim Stadtbummel zuschauen kann. Und wie ist das mit dem Glas Wasser zum Kaffee?

Österreichische Kaffeehaustraditionen und ihre härtesten Klischeeskaffeehaus_wien_central.JPG

Kaffeehäuser gibt es in Österreich seit Ende des 17. Jahrhunderts. Seitdem sind sie gesellschaftlicher Treffpunkt in Wien, Salzburg, Graz und auch kleineren Städten. Wer die Kaffeehäuser in den vergangenen Jahrhunderten besucht hat? Nach Worten von Alfred Polgar, Besitzer des “Café Central” in Wien um 1900, “Leute, die allein sein wollen, dazu aber unbedingt Gesellschaft brauchen”. Dazu zählten Schriftsteller wie Arthur Schnitzler, Franz Kafka, Thomas Bernhardt, Komponisten und Journalisten. Für sie waren Kaffeehäuser Lesehalle, Nachrichtenbörse, Club und Wohnzimmer. Anwälte nutzten sie auch als Arbeitsstätte. Sie luden oft Klienten zu Besprechungen in eine ruhige Ecke, woraus der Begriff des “Winkeladvokaten” entstand. Die Einrichtungen der Cafés wurden von verschiedenen Stilelementen geprägt: Spiegelverkleidungen, prächtige Wanduhren, einen Billardtisch und viel Porzellan gab es dort. Große Rundbögen schmückten die hohen Decken, verzierte Leuchter - zunächst mit Kerzen, später mit Lampen - hingen tief in den Raum hinein, Korbsessel standen an echten oder falschen Marmortischen.

Eckhaus als Caféherberge - “Einblick” für die Obrigkeit

Cafés wurden in Österreich meistens in Eckhäusern eröffnet und mit möglichst vielen und hohen Fenstern ausgestattet. Damit die Besucher besonders gut das Treiben auf der Straße beobachten konnten, so steht es in zahlreichen Büchern. Aber was war der wahre Grund? Viel Glas und eine ebenerdige Lage waren Bedingung: Die Obrigkeit sollte von außen Einsicht auf das Geschehen drinnen haben. Denn das Kaffeehaus war in Zeiten der Monarchie auch Ort von Gedanken und Gesprächen um Demokratie und Anarchie. Der Kaiser und die Fürsten schickten ihre Polizisten aus, um informiert zu sein.

Zahlreiche Kaffeevariationen - vom Fiaker zur Kaisermelangekaffeehaus_wien_sperl.JPG

Neben demokratischem Flair machten auch andere Dinge die Anziehungskraft von Österreichs Kaffeehäusern aus: die bis zu 200 vorhandenen Zeitungen aus allen Ländern, die Kaffeehausmusik und der Zigarrenduft, der das Gefühl ermöglichte, nicht zu Hause aber dennoch nicht an der frischen Luft zu sein. Vor allem aber kamen die Menschen aus einem Grund in die Kaffeehäuser: Hier gab es Kaffee in zahlreichen Variationen. Rund 50 kann allein Wien aufweisen. Berühmt ist Österreich für die “Melange”. Der Klassiker besteht aus halb Kaffee, halb Milch, wird mit Zucker gesüßt und im Stielglas oder einer weiten Teeschale serviert. Die “Wiener Melange” bekommt eine Haube aus schaumig geschlagener Milch. Bei der “Kaisermelange” dagegen wird schwarzer Kaffee mit einem Eigelb, Honig, Schlagsahne und einem Schuss Rum verfeinert. Wer ausschließlich schwarzen Kaffee trinken will, bestellt einen “Fiaker”. Beim “Einspänner” wird schwarzer Kaffee im Kelchglas mit geschlagener Sahne - österreichisch: Schlagobers - aufgefüllt.

Kaffee und das Glas Wasserkaffeehaus_wien.jpg

Zu Beginn des Kaffeehauslebens bekam der Gast zum Kaffee automatisch ein Glas Wasser serviert. Der Grund: Bei den damaligen Verarbeitungen der Bohnen entstand durch Rösten und Überbrühen mit kochend heißem Wasser Gerbsäure. Sie greift die Schleimhäute an. Deshalb konnte der Kaffeetrinker mit einem Schluck Wasser die Schleimhäute benetzen und sie so schonen. Heute ist die Stärke der Gerbsäure durch moderne Zubereitungs-Verfahren unbedeutend geworden. Das Glas Wasser kommt nur noch auf Bestellung, da ein automatisch serviertes Wasser auf die geringe Qualität des Kaffees hinweisen würde. Trotzdem schätzen einige Besucher die Extra-Portion Flüssigkeit. Veraltete medizinische Erkenntnisse sagen nämlich, Kaffee sei harntreibend und bringe den Wasserhaushalt aus dem Gleichgewicht – eine These, die inzwischen allerdings längst widerlegt wurde!

Quelle: Kaffee-oder-Tee-Ecke des SWR. Vielen Dank für die tollen und umfangreichen Infos!

 

Warum wiegelt Kaffee auf?

Dienstag, 28. März 2006

Die Zivilisation des europäischen Altertums und des europäischen Mittelalters kannte nur Betäubungsmittel wie Wein, Bier und Most. Es gab keine Ernüchterer. Noch kurz vor der Französischen Revolution begann der Tag der Bürger mit Bier. Und endete damit: Den Frühtrunk bildete Suppenbier, zu Mittag gab es Fisch und Wurst in Bier gekocht und abends warmes Eierbier, Rosinenbier oder Zuckerbier. Man traute der Reinheit des Biers mehr als dem oft verseuchten Trinkwasser. Alkohol vermehrte vor allem das Phlegma und half über die Frustrationen der Monarchie hinweg. Über Nacht jedoch verwandelten sich Weinschenken zu Kaffeetavernen. Die Stätten der Vernebelung wurden plötzlich zu Orten des Nachdenkens, Diskutierens und Fragenstellens.

In Paris wuchs die Zahl der Kaffeehäuser rapide, um 1780 waren es bereits über 800. Die Aufwiegler trafen sich nun – statt bei verklärendem Bier - beim aufputschenden Kaffee. Niemals zuvor spielte sich die Weltgeschichte so sehr im Kaffeehaus ab: Es wurde gestritten, konferiert und ausgeheckt, dem Sturm auf die Bastille ging unmittelbar eine Rede von Camille Desmoulins von einem Tisch des Café de Foy voraus. Kaffee war der Auslöser zur kollektiven Ernüchterung, und der Beginn der Aufklärung wurde durch einen Geruch geprägt: durch den Duft des Kaffees.

Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg, Französische Revolution oder Aufbegehren gegen Metternich – immer boomten kurz zuvor Kaffee und Kaffeehaus. Ein Zufall?

 

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